Ab nach Georgien
Lange ersehnt – endlich ist es soweit. Für den Beginn unserer Reise einmal ganz nach unten scrollen. Wir haben sie chronologisch aufgeschrieben.
Doch bevor es losgeht – die Frage aller Fragen:
Mietwagen oder Öffis?
Welchem Team gehört ihr an?
Als ich gestern ganz still auf der Yogamatte lag, ging ich nochmal jede einzelne Station in Georgien gedanklich durch. Ich erschrak ein wenig. Tbilisi und Kutaisi waren so gut wie die einzigen Stationen, die wir zu Fuß durchgequert hatten.
Ungefähr zur Mitte der Reise bemerkte ich an meiner Fußsehne eine Verdickung. Sie war nicht tastbar, aber gefühlt doch da. Zurück in Berlin verschwand sie langsam. Im Nachhinein kann ich mir ihr Entstehen nur durch meinen ausgestreckten Fuß auf dem Beifahrersitz während stundenlanger Autofahrten erklären. Versteht mich nicht falsch. Ich habe die komfortable Lage im Mietwagen sehr genossen – zumal ich mich wirklich die ganze Zeit zurücklehnen konnte und Sandra gefahren ist. Sie hat uns durch den Verkehr von Tbilisi, die Flüsse im Vashlovani Nationalpark und über sämtliche Offroad-Straßen manövriert und das alles mit einer stoischen Ruhe. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Aber ich habe mich gestern gefragt, ob wir wirklich so wenig in Georgien gelaufen sind und ja, das sind wir. Sandra und ich sind normalerweise die Fraktion „Chicken bus“ (ehemaliger US-Schulbus, der nun in Mittelamerika als öffentliches Verkehrsmittel eingesetzt wird und immer voller als voll ist) inklusive Aussteigen im Nirgendwo und die restlichen sechs Kilometer laufen wir dann. Für unseren Georgien-Trip hatten wir uns ja wegen Corona bewusst für einen Mietwagen und gegen öffentliche Verkehrsmittel entschieden. Aber, und das muss ich im Nachhinein sagen, man wird durch ein Auto auch bequem. Gut, dass wir in Berlin keins mehr haben;-).
In Stepanzminda unterhalb des Kazbegi zum Beispiel sind wir überhaupt nicht durch den Ort gelaufen, sondern nur mit dem Lada gecruist. Auf der Suche nach einem Restaurant, nach einem Supermarkt, nach irgendetwas Spannendem (haben wir nicht gefunden, aber hier war halt die Landschaft das Highlight). Unser Haus war ja im Ortsteil Gergeti das letzte Haus vor der Auffahrt zur Dreifaltigkeitskirche und so hätten wir schon einen Marsch von etwa 15 Minuten bis zum Ortskern vor uns gehabt. Aber hey, bei früheren Reisen (Irland!) haben wir ganze Busrouten erlaufen, weil sonntags der entsprechende Bus nicht fuhr und wir trotzdem ans Ziel kommen wollten.
Der Vashlovani Nationalpark bot sich ohnehin nicht zum Laufen an – zu weite Distanzen und zu viele aggressive Hirtenhunde. Doch ansonsten denke ich mir, dass wir ja zumindest in kleine(ren) Orten wie Dedopliszqaro oder Udabno mal eine Runde hätten laufen können. Stattdessen sind wir ins Auto gestiegen und wie schon erwähnt „gecruist“ oder gleich im Liegestuhl für den restlichen Abend liegen geblieben. Aber gut, in diesen Momenten hat es sich richtig angefühlt und war vielleicht gerade für uns, die wir ansonsten nicht viel Auto fahren, genau das Richtige. In diesem Sinne kann ich sagen: Ein Mietauto ist komfortabel und bringt einen in die entlegensten Winkel eines Landes. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß lassen sich nicht alle Ecken erreichen, aber man ist näher an den Leuten dran und letztendlich auch mehr auf den Beinen.
Ob wir wohl beim nächsten Mutti-Detox wieder Team Mietwagen oder eher wieder Team Öffis sind?
Tina
Berlin im Mai 2022
Zum Borjomi Nationalpark und nach Kutaisi
23/4/22
Die Sonne schiebt die Wolken beiseite, wir betreten den Nationalpark Borjomi für unsere Wanderung. Der Luftkurort hat seine beste Zeit hinter sich, uns zieht es in die Natur.
Im Winter kamen wir in Georgien an, nun erwacht die Natur.
Die umliegenden Berge sind an die 2.000 Meter hoch und wir überwinden fast 600 Höhenmeter.
Am frühen Abend kommen wir in Kutaisi an. Heute sind wir zu Dritt gereist und hatten noch einen dänischen Tramper an Board.
Schnell in unsere Herberge: Dingo Backpackers, das von Reisenden gegründet wurde. Wir bleiben nicht lange, denn wir haben Hunger.
Geheimtipp unseres Hostels: Geht ins „Sisters“. Wir öffnen die Tür und landen in einer anderen Welt. Shabby Chic meets high society of Kutaisi.
Wir sind zwar etwas underdressed…
… aber das Essen schmeckt dafür umso besser.
Es ist 4 Uhr morgens und wir sind am Flughafen. Zwei Stunden haben wir gedöst und sind nun startklar für unsere Rückkehr nach Berlin. „Didi madloba“ - vielen Dank, Georgien! Es war großartig!
Zur Höhlenstadt Vardzia und über Akhaltsikhe zum Frachtcontainer Likani
21/4/22
Am Vormittag machen wir uns auf in die Höhlenstadt und -kloster Vardzia. Gefühlt sind wir die ersten und auch die einzigen auf fast allen Gängen.
Vardzia hat 13 Ebenen auf 40 Metern Höhe mit mehreren hundert Räumen, nicht alle sind zugänglich. Dieser Ort war aller Wahrscheinlichkeit schon seit der Bronzezeit bewohnt.
Von weitem sieht die Anlage, deren Status zum Weltkulturerbe bereits beantragt ist, noch beeindruckender aus.
Von hier fahren wir weiter nach Akhaltsikhe. Um diese Stadt haben wechselseitig Russen, Türken und Georgier gerungen. Jetzt ist es ein multiethnisches Zentrum mit Kirchen, Moscheen und einer Synagoge.
Die Burg Rabati ist wieder aufgebaut und „aufgehübscht“ worden, um Touristen in die Stadt zu locken.
Unsere nächste Etappe: der Borjomi-Nationalpark. Hier haben wir uns in Likani in einen Frachtcontainer eingebucht. Gut, dass es ein Sonnendeck gibt, wohin der Hund nicht folgen kann.
Die Sonne steht noch hoch genug, um diesen „Lieblingsplatz“ in Beschlag zu nehmen. Weinflasche auf und „Gaumardshos“!
Von Udabno über Tsalka Reservoir und Paravani-See ins Bee House
Tschüss Udabno! Besser immer aufs Navi hören. Denn offraod landen wir zu nah an der aserbaidschanischen Grenze und werden von Grenzschützern angehalten und zurück auf den richtigen Weg eskortiert…
… von der Gegend gibt es also vor lauter Schreck keine Fotos, aber wir wären danach bereit für die „Beer Zone“ gewesen.
Endlich wieder eine „richtige“ Straße unter den Rädern. Wir sind in der Industriestadt Rustavi, die leider nichts hergibt.
Es geht zum Tsalka-Plateau - gefühlt kurz vor Wladiwostok. Kurzer Sprung nach draußen und Blick über den Tsalka-Stausee.
Füße vertreten tut trotzdem gut.
Der Schnee hat uns wieder am Paravani-See.
Der letzte See des Trios ist der Saghamo-See.
Zwischenstopp in In Ninotsminda. Hier gibt es eine Einkaufsstraße und es ist im Gegensatz zu vorher „viel“ los.
Die Waschpulver-Packungen muten riesig an.
Wir nähern uns der nächsten Grenze, diesmal der türkischen. Hier geht aber alles glimpflich ab. Wir verlassen die Hauptroute nicht. Kurz hinter der letzten Kurve vor unserem Ziel steht die Khertvisi-Festung.
Nach über fünf Stunden und 250 Kilometern erreichen wir das „Bee Guesthouse“ kurz vor Vardzia. Die Höhlenstadt steht morgen auf dem Programm.
David Gareja & Oasis
19/4/22
„Fahr mal links hoch zur Burg“, sage ich zu Sandra. Wir biegen ein, ein Hund humpelt uns auf dem kleinen Parkplatz entgegen. Kaum machen wir die Tür auf, springt er und hofft auf Essen. Ich deute auf Sandra und den Kofferraum und mache die Tür schnell wieder zu. Sandra gibt ihm unsere Reste vom Mittagessen, die er gierig verschlingt. „Komm‘, Tina!“ Doch meine Autotür bleibt zu, ich traue mich nicht raus. Zu groß ist meine Angst vor Hunden und noch größer vor Tollwut. Obwohl ich viermal geimpft bin. Wie habe ich eigentlich meine Urlaube in Lateinamerika durchgestanden?! Ehrlich gesagt trifft es bei mir zu, dass man mit dem Alter ängstlicher wird. So Tina, das wird mir jetzt ein wenig zu tierisch, ich übernehme. Die Burg habe ich also alleine angesehen, die blühenden rot-schwarzen Mohnfelder hast du verpasst.
Zurück nach Udabno. Der gestern „georgisch“ geflickte Reifen hält. Er wird uns vermutlich sicher bis ans Ziel bringen und die Liste der Lebenserfahrungen bereichern. Man muss schon sehr viel Leidenschaft mitbringen, um im Kuhdorf Udabno ein Hostel zu eröffnen. Gegenüber werkeln die Einheimischen am nächsten Guest House. Die Nachfrage ist da, zehn Kilometer entfernt vom Höhlenkloster. Während die Pferde über die Koppel springen, holen wir uns einen georgischen Weißwein, den es in vielen Farben gibt. Heute also rosé, die Traubenhaut wird ebenfalls gekeltert. Bisher kannten wir nur Blanc de Noir in diesem Farbton. Mit Blick auf die Felder wundern wir uns über diesen Ort, der es irgendwie zu schaffen scheint, Traveller aus aller Welt anzuziehen und einige bleiben lässt wie die polnischen Inhaber.
Weiter geht die Roadtour zum Höhlenkloster David Gareja aus dem 6. Jahrhundert. Heute lebt dort wieder eine kleine Klostergemeinde, daher ist der obere Teil der Anlage nicht zugänglich. Es ist fast 18 Uhr, wir sind die einzigen Touristen.
Die aserbaidschanischen Grenzposten eskortieren uns mit ihren MGs entlang der Grenze – Privattour. Irgendwie haben wir uns das Gebiet weitläufiger vorgestellt, die Wanderschuhe hätten wir im Lada lassen können.
Vashlovani Nationalpark und
Sosos Farm
18/4/22
Lange Hose, langes Shirt, Fleecejacke, zwei Paar Socken und Bettdecke - das ist meine „Ausrüstung“ für unsere Nacht in der Villa Kunterbunt. „Typisch Prenzlberg-Mutti...“, raunt Sandra mir zu. Übersetzt also „Memme“! Wir starten den Podcast zu Jordanien, ein mögliches Reiseziel fürs nächste #MuttiDetox in zwei Jahren. Die Stimme des Moderatoren lullt uns richtig schön ein und es wird wärmer unter der Decke.
2:33 Uhr nachts. Sandra und ich schauen uns im Dunkeln an. Da ist was. Über uns. Doch über uns ist nur der leere Dachstuhl. Mir kommt eine Marderfamilie in den Sinn, die - so weiß ich aus Erzählungen - durch marode Lamellen gekracht und eine Etage tiefer gelandet ist. Wir kichern und halten vor lauter Schreck schnell wieder den Atem an. Ich stopfe meine Ohropax tiefer in die Ohren. Sandra hat keine und will auch keine. Stille, dann wieder das Trippeln. Wir schlafen ein und sind - diesmal ohne Wecker - erst um 8 Uhr wach.
Die Tankanzeige macht, was sie will. Chai (Tee) mit Ira, der Hausdame, dann los. Nochmal Tanken und ab in den Vashlovani Nationalpark. Später wurmt es uns etwas, dass wir nicht noch drei Kanister Benzin auf Reserve mitgenommen haben. Offroad schluckt der Lada gut was weg und je nach Kurvenlage ist auch die Nadel der Tankanzeige unterschiedlich weit oben...
Kurzer Übertritt nach Aserbaidschan. Letztendlich trauen wir uns nach einem gemütlichen längeren Zwischenstopp (Campingstühle raus, Nudeln und Espresso auf den Gaskocher) doch noch auf den Nationalpark-Trail. Wir hatten etwas Bedenken bezüglich Sprit. Wie gesagt macht die Tanknadel was sie will und das Navi zeigt kontinuierlich 5:50 Stunden für 32 Kilometer, was ja auch Quatsch ist. Letztendlich haben wir uns noch über die Grenze nach Aserbaidschan vorgewagt und uns die großen Canyons im Nationalpark angeschaut.
Kleiner Schrecken. Zurück auf dem Weg zu Sosos Pferdefarm – unserem Übernachtungsziel - gab es dann noch einen kleinen Schrecken. Ein Draht hatte sich in unserem Reifen verfangen und uns ein Loch in den Reifen gebohrt. Zum Glück waren wir in der Ortseinfahrt von Kasristkali und fanden schnell Hilfe. Mit Händen und Füßen holten wir die nächstbesten fünf Männer von ihrem Sit-in weg. Anders als in Deutschland (Reserveradwechsel) vergrößert man hier das Loch etwas und stopft es dann mit einem Gummipfropfen zu. Nach zehn Minuten fertig: Go!
Sosos Pferdefarm. Nächstes und letztes Ziel für die Tagesetappe heute: Sosos Pferderanch. Ira aus Deutschland empfängt uns - eine Pendlerin zwischen den Welten (Berlin - Georgien). Schnell landen wir bei Schaschlik und Wein und trinken auf #SlavaUkraini (Ruhm der Ukraine). Heute passiert, auf was wir uns schon lange gefreut haben: Trinksprüche und Wein, der sich wie automatisch nachfüllt und ein Abend mit Gästen aus aller Welt. Was tut das gut...
Bereit für den Vashlovani Nationalpark
16/4/22 - Veranda der „Villa Kunterbunt“
Wir verlassen nach nur einer Nacht unser wunderschönes Domizil in der Weinregion. Die Kulisse mit schneebedeckten kaukasischen Bergen vor uns und blühenden Pfirsichbäumen so weit das Auge reicht, wird unvergessen bleiben.
Wenn ein Hostel, dann hier. Um es schon mal vorweg zu nehmen: Heute ist unser Ziel Dedoplistsqaro, eine kleine unspektakuläre Stadt und Ausgangspunkt zum Vashlovani-Nationalpark. Unterwegs stoppen wir im fein herausgeputzten Signaghi, das auf einem Hügel thront. Das Städtchen scheint eines der Touri-Highlights in Georgien zu sein. Doch uns hat weniger das „Herausgeputzte“ in den Bann gezogen als vielmehr das Unvollständige etwas abseits der ausgetrampelten Pfade. Wenn wir nicht in Deutschland arbeiten müssten und zwischen den Welten pendeln könnten, dann wäre das ein Ort, wo „Sandras & Tinas Café und Hostel“ entstehen könnte. Träumen geht immer!
Dedo, wir kommen. Weiter also nach Dedoplistsqaro. Hier wollen wir im Sommerhaus von Sandras Bekannten übernachten. Wer hier schon mehr gelesen hat: Durch dieses Haus sind wir vor neun Jahren überhaupt auf Georgien aufmerksam geworden. Wir haben ein Navi, WLAN im Auto, eine Straße sowie die Hausnummer und sogar den Namen des ursprünglichen Besitzers sowie der Frau, die sich nun ums Haus kümmert. „Fragt einfach nach ihr!“, sagte Sandras Bekannter noch. Die gesuchte Straße ist schnell gefunden. Doch sie ist weit verzweigt und das Navi nimmt die Hausnummer nicht in die Suche auf. Also Auto stehen lassen, Google Translator an und ab an den nächsten Gartenzaun: „Hallo, wir suchen das Haus von...!" Ein älterer Mann kommt, nimmt unser Handy entgegen und hält es an sein Ohr – Oh nein. „Sie müssen lesen! Lesen!“ Er versteht natürlich nicht. „Ist Ihre Brille weg?! Lesebrille?“ – auch nicht. Endlich liest er. Doch nein, die gesuchten Leute kennt er nicht! Gut, da kennen wir nichts.
Empfang auf der Veranda. Ab zu den nächsten: Eine Vierer-Männer-Gruppe gemischten Alters. „Ja, die kennen wir, aber...!“ - Ausladende Bewegung in Richtung des anderen Straßenendes. „Ich fahre Euch!“ bedeutet uns einer der Männer. Wir steigen in seinen Mini-Bus, fahren zehn Meter weit und sind da. Da steht sie, die Frau zu der wir wollen, am Gartenzaun. Wir sind angekommen, werden reingebeten und machen es uns erstmal mit türkischem Mokka und Gebäck auf der Veranda gemütlich.
Während ich das hier tippe, sitzen wir wieder auf der Veranda. Gut fühlt es sich an, mal von der anderen Seite (wie ein Einheimischer) über den Vorgarten auf die Straße blicken zu können...
Über Signaghi nach Dedoplistsqaro
16/4/22
Aufbruch in Kachetien, mal geht es schneller, dann wieder langsamer.
Am Stadttor von Signaghi angekommen. Unser „treuer Begleiter“ ist immer dabei.
Die schneebedeckten Berge des Großen Kaukasus begleiten uns noch eine Weile.
Wie so oft ist auch hier die Solidarität mit der Ukraine zu sehen.
Signaghi ist eines der Haupttouriziele in der Weinregion.
Nur ein paar Meter von den restaurierten Fassaden spielt sich das „normale“ Dorfleben ab.
Laut Reiseführer hat Signaghi die längste Stadtmauer Georgiens.
Romantisches Städtchen und Sowjetzeit so nah beieinander.
Blick von einem „lost Place“ zum nächsten.
In Dedoplistsqaro angekommen, führt unser erster Weg zum Nationalpark Center. Hier müssen wir uns anmelden und ein „Permit“ beantragen.
Die Straße des 9. April ist lang…in Dedoplistsqaro auf der Suche nach „unserem“ Haus.
Next door - nicht weit von unserem Haus.
Für uns ist es die „Villa Kunterbunt“. In Echt das Ferienhaus von K.-C. von Knobelsdorff in Ostgeorgien.
Angekommen und empfangen mit Mokka und Süßigkeiten. Die Sonne scheint. Herrlich!
Die „Villa Kunterbunt“ ist für uns bereit.
Am liebsten sitzen wir hier - auf der Veranda.
Vom Kazbegi zum Weingut Mestvireni in Kachetien
16/4/22
Wegzehrung für den langen Ritt…
… heute ohne Wartezeit.
Zwischen Tianeti und Akhmeta machen wir einen Abstecher zur Kvetera Fortress Church.
Ein „lost place“…
… an dem wir die Einzigen sind und bleiben.
Kachetien ist eine Weinregion in Georgien.
Angekommen bei Beka auf dem Familienweingut Mestvereni.
Hier werden auch Pfirsiche für einen entsprechenden Brand angebaut…
Die Georgier haben bekanntlich den Wein erfunden. Und sie keltern ihn in Tonkrügen im Boden. Nach Einführung in die Georgischen Rebsorten Kwareli, Saperavi und Kisi (nebenbei noch Cha-Cha und Experimente mit Pfirsichschnaps) landen wir am Kamin…
… in unserer „Villa“
Beka und seine Schwester haben gekocht und tischen uns Leckereien auf!
Aufstieg zur Dreifaltigkeitskirche
15/4/22
Zum Main Sight in Stepanzminda mit dem Auto hochzufahren, kommt für uns nicht infrage. Wir laufen.
„Auf dem Weg liegt doch kaum Schnee!!“ - sagt Sandra noch vorher zu Tina…
…Denkst‘e! Wir sind zwischendurch komplett mit den Füßen versunken! Picknick war auch nicht möglich, da Bank halb im Schnee…
Doch oben angekommen ist das alles vergessen! Und das Schönste: Außer uns sind kaum Leute da. Wir lieben die Vor-Vor-Saison!
Pferd und Reiterin in Szene gesetzt…
Und das ist sie: Die Gergeti Tsminda Sameba auf 2.170 Metern. Eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen in Georgien und erbaut um 1318-1346 (lange Bauzeit!) aus missionarischen Absichten.
Blick auf den Kazbegi
15/4/22
Guten Morgen, Kazbegi! Beieindruckendes Naturschauspiel, wenn morgens gegen 8 Uhr die Sonne über dem 5.048 Meter hohen Kazbeg erstrahlt. Nur 12 km von hier ist die Grenze nach Russland. #slavaukraini (Ruhm der Ukraine) liest man daher hier an jeder Ecke. Die Solidarität mit der Ukraine ist auch aufgrund der eigenen Kriegserfahrungen 2008 überall zu erkennen.
Georgische Heerstrasse
14/4/22
Wir fahren von Tbilisi in die Berge - knapp 200 Kilometer in drei Stunden! Mit vielen Zwischenstops. Kloster, Burg und Stausee passen auch noch in den „großzügigen“ Zeitplan. So der ursprüngliche Plan.
Zwischenstopp in Ananauri…
Südlich von Gudauri ist außer uns nicht viel los.
… und wir nähern uns der russischen Grenze.
Wir sind kurz nach Ende der Skisaison hier. Schade!
Unser Rundumbergpanorama ändert seine Farbe zu jeder Tageszeit.
… am Schinvali Stausee.
Die Landschaft wird immer rauer…
Warm ist es in der Sonne trotz nur zwei Grad.
Zwei Stunden warten - LKWs aus Russland sind nun dran.
Morgens um 8 kommt die Sonne in Stepanzminda über den Berg.
Schlange aus LKWs. Auch das Navi zeigt bis zum Schluss Berechnungen an, die eher zu einer deutschen Autobahn passen: „In 19 Minuten und 25 Kilometern haben Sie Ihr Ziel erreicht!“ Hallo, Navi?! Wir sind auf der georgischen Heerstraße, das hast Du wohl nicht mitbekommen. Schon etwa 50 Kilometer hinter Tbilisi kam uns das alles Spanisch vor. Eine Schlange von wartenden LKWs aus Georgien, Armenien, Russland, der Türkei, mindestens vier Kilometer lang. Auf was warten die bloß? 35 Kilometer weiter ein ähnliches Bild. Wir kurven weiter durch die Winter-Wonderland-Schneelandschaft. Und dann plötzlich Polizei, Sirene und STOP!
Warten mit netter Bekanntschaft. Es geht nichts mehr. Die Straße nach Stepanzminda ist gesperrt. Für mindestens zwei Stunden. Wir sind Nummer drei in der Warteschlange. Warum das so ist, ob wir heute noch ankommen können - keine Antwort. Da schaut Ibrahim aus dem Nordosten der Türkei zum Fenster herein - ob wir ein Hebeeisen für seinen platten Reifen auf Position fünf in der Schlange hätten. Nein, aber die zwei Jungs vor uns. So kommt Smalltalk und Bewegung in die Schlange. Was können wir auch tun? Da ist Ibrahim wieder. „Wenn Euch kalt wird (Smalltalk am offenen Fenster), könnte ich doch auch in Euer Auto auf den Rücksitz kommen!“ Logo, steig’ ein! Hätten wir noch einen warmen Tee gehabt, hätte die Backpacker-Kennlern-Nummer nicht besser laufen können. Doch auch so war es nett.
Einfahrt in Stepanzminda. Irgendwann Lichthupe der Polizei von vorne - die Karawane setzt sich in Bewegung. Gegenverkehr gibt’s immer noch. So ganz klar ist die ganze Sache nicht, aber Hauptsache los! Wir reimen es uns später so zusammen, dass einfach zu viele Autos und vor allem LKWs in Richtung russischer Grenze wollen und das bei viel zu schmalen Straßen, Tunneln und Serpentinen. Deshalb das einspurige Fahren und Warten zu bestimmten Tageszeiten. „Der Weg ist das Ziel“ ist auch heute unser Motto, als wir in Stepanzminda unterhalb der Dreifaltigkeitskirche mit einem sanften Aufatmen einfahren.
Stippvisite in Tbilisi
Die Holzbalkone in Tbilisis Altstadt…manche sind einfach nur schön restauriert.
Unser Hostel Fabrika bei Nacht.
In Berlin der Photo-Automat - hier der Photo-Bus.
Das Hostel ist voller Details.
Früher war mehr Lametta…
Raus aus unserem Hostel „Fabrika“ und direkt in Neu-Tiflis hineingestürzt, das als Künstler-Viertel gilt.
Das kommt uns doch aus Prenzlauer Berg bekannt vor…
Über die Brücke ins Bethlemi Viertel…
Die Ukraine ist hier überall präsent.
An fast jeder Hauswand Kunst…
Und endlich mal ein Selfie!
Was Berlin in den 90er Jahren war, ist Tbilisi heute.
Und dann auch wieder ganz modern…
Manchmal ist nicht recht zu erkennen, wofür all die futuristischen Bauten gedacht sind.
Von Kutaisi nach Tibilissi
13/4/22
Da ist er - unser Lada Niva! Hat einen Schaltknüppel wie ein Traktor und röhrt wie ein Hirsch. Aber: er hat uns am ersten Tag treu durch den georgischen Verkehr begleitet. Dem verrückten Fahrstil der Georgier zum Trotz!
What? Nur 1.290 Kilometer bis Tehran? Wir fahren durch! Nein, aber hier wird mal wieder die Dimension des Reisens klar. Der Weg ist das Ziel und auf der großen weiten Erde sind wir alle miteinander verbunden.
Jeder Gegenstand und jedes Motto bekommt seine Straße. Hier der Ziegelverkauf 5+1. Vorher Töpferei und Tontöpfe ohne Ende und davor die Kaffee-Lavazza-Straße…
Es geht los!
Berlin, 13/4/22
Treffen um kurz vor 6 am Ostkreuz und eine glutrote aufgehende Sonne auf dem Weg zum BER. Es ist soweit. MuttiDetox #2 hat begonnen.
Zeiger auf los gesprungen. Die endlose Zeit des Wartens hat ein Ende. Zeit am Flughafen haben wir mehr als genug. Durch die Security und die Parfüms im Duty Free sind wir schnell durch. 26 Minuten von hier zu Gate B44 – lächerlich! Im Rentnertempo vielleicht. So groß ist doch der BER insgesamt gar nicht! Erstmal Käffchen und zweites Frühstück in der „Ständigen Vertretung“. Hier kommt die Erinnerung von 1998 an den „halven Hahn“ hoch, ein Roggenbrötchen mit Käse, kein halber Grillbroiller. Aufs Kölsch verzichten wir am frühen Morgen, machen es uns aber trotzdem noch schön muckelig.
Erstmal in Kaffeelaune. „Wenn Du einmal in Kaffeelaune bist, Tina!“, wird Sandra später sagen. 25 Minuten vor Boarding brechen wir auf in Richtung Gate 44. Augenblicklich kommen die langen Gänge und fehlenden Rollbänder wieder in der Erinnerung hoch! Kurz vor dem Ziel werden wir von einer Menschenmenge ausgebremst, die den Zugang zu den verbleibenden Gates blockiert. Hier ist die EU zuende. Passkontrolle. Und eine Schlange davor, die definitiv länger ist als die verbleibenden zehn Minuten. Ein Mann in orangefarbener Weste ist unser Rettungsanker! „Ja, wenn die Schlange Sie dazwischenlässt, dann geht das!“ - sie wird ehrlich gesagt nicht gefragt, ehe wir uns auf Warteposition zwei drängeln und milde durch unsere Masken lächeln.
Bis sich alle vor und im Flieger nach Kutaisi zurechtgeruckelt haben, dauert es noch eine Weile.
Aber wir sind bereit.
Georgien, wir kommen!