Wie die Vorfreude endlich anfing 

18/5/2023

Als wir 2022 von unserer ersten Reise aus Georgien zurückkamen, konnten es einige eingefleischte Georgien-Fans nicht glauben: Wir waren nicht in Svanetien gewesen. Die Region des großen Kaukasus gilt als das Highlight Georgiens schlechthin. Orte wie Mestia und Ushguli mit jahrhundertealten Wehrtürmen und Berge mit über 4.000 Metern Höhe.

Wo bleibt das Reisefieber? Gut, wenn nicht bei unserem ersten Trip, dann beim zweiten – und zwar ausschließlich. Unsere Reise sollte dieses Mal nur von Kutaisi nach Svenetien gehen, mit einigen Abstechern auf dem Weg. Wichtig war uns dabei, den Zagari-Pass zu befahren, also den Weg von Ushguli zurück nach Kutaisi, damit wir nicht den Hinweg zurückfahren müssten. Am 1. Mai, gut drei Wochen vor unserer Reise, trafen sich Sandra und ich auf einen abendlichen Trink. Ich merkte, dass ich bis dahin überhaupt nicht in Reisestimmung gekommen war. Was war nur mit mir los? Klar, weiterhin die Angst, krank zu werden vor der Reise, Corona und so. Die Frage, ob nicht wieder irgendwer am BER oder auf dem Weg dorthin streiken würde. Aber all diese Sorgen hatte ich doch auch letztes Jahr gehabt und trotzdem waren meine Aufregung und Vorfreude drei Wochen vor Reisebeginn unbändig.

Die Frage aller Fragen. Ich kann bis heute nicht sagen, was es war. Bis vor wenigen Tagen hat es in Svenetien noch geschneit, langsam wird es wärmer, aber den relativ schwierigen Pass würden wir wahrscheinlich nicht fahren können, denn dazu ist es immer noch zu nass. Es war aber auch nicht so, dass ich dem nachtrauerte oder unbedingt nach Svenetien wollte. Ganz seltsam. Doch wohin dann? Wir haben doch schon fast alles von Georgien gesehen. Nein, Scherz, aber wir haben wirklich einen Großteil des Landes bei unserer ersten Reise durchreist, wenn auch im Schnelldurchlauf. Fehlte nur noch das Schwarze Meer (wollen wir nicht) und Svenetien.

Und dann sagte Sandra einen Satz, der alles veränderte und zwar: „Und was ist mit Armenien?“ ARMENIEN??? Eines der Nachbarländer von Georgien, klar, das wussten wir. Schnell die Fakten gegoogelt: Einreise von Georgien über Land möglich, allerdings nur mit Reisepass – Ja, haben wir, check. Automitnahme des georgischen Verleihers möglich? – Ja, check. Gibt das Land was her? Ja, – check-check, nämlich Klöster en masse (Armenien gilt als „die“ Wiege des Christentums), einen der höchstgelegenen Seen der Welt (1.900 Metern über dem Meeresspiegel), Felsformationen, eine spannende Hauptstadt, von der die meisten wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben (Jerewan, Eriwan) und insgesamt ein Land, das noch sehr unberührt vom Tourismus erscheint. Wenn das nicht was für uns ist.

Zwei Wochen lang haben wir nun die Wetterkarte Svenetiens beobachtet, mit uns gerungen und eigentlich doch schon längst beschlossen, wohin wir wollen: Armenien, wir kommen und sind so gespannt! 

 

Tina

#Reisen mit leichtem Gepäck

 „Es reist sich einfacher mit leichtem Gepäck, 

lassen uns treiben, sind einfach mal weg“  

(Silbermond)


#daypack

Silbermond hat einfach recht. Unterwegs sein mit leichtem Gepäck macht uns leicht. Warten in Gepäckausgaben entfallen. Blümchenbluse oder zitronengelbes Shirt? Diese Fragen stellen sich nicht. Es eröffnen sich neue Dimensionen: Der Start einer Wanderung direkt ab dem „Bus Stop“ oder eine irische Inselrunde mit Leihrädern von Bantry über die Berge von Sheep Island nach Kilcrohane. All das wäre mit großem Backpack nicht möglich gewesen.   


#PrinzipZwiebel

Beim Packen gilt bei uns Prinzip #Zwiebel. Ob für Reisen in mehrere Klimazonen oder zum Wandern, Schicht aus oder an macht das Leben einfach leichter. Nun zum Packen: die Kleidung wird erst gerollt, dann gestopft und das ganz ohne Falten. So wird das Daypack zum Platzwunder. Prinzip Zwiebel gilt auch für den Flug. Wanderschuhe an, Fließ und Regenjacke an, zur Not auch mal Mütze und Schal, um sie dann bei gefühlten schwülen 30 Grad am Ankunftsort erst einmal wieder in die Jackentasche zu stopfen, in den Bergen braucht man sie ja vielleicht wieder.


#multifunktional

Unsere Kleidung wird multifunktional je nach Anlass genutzt. Das fängt beim Schlafanzug an. Wer braucht ihn schon auf Reisen. Ein Top, Yogahose oder Leggings tun es auch. Ein Turnbeutel muss als Daypack herhalten für kleinere Ausflüge. Und im Notfall ist der Bikini eben mal Unterhose. Beim Blick auf atemberaubenden Gletscher oder über den Nationalpark interessiert das sowieso keinen.


#waschen

Unterwegs waschen klappt überall auf der Welt. Wenn nicht in einem der Waschsalons auf der Main Road, dann mit der Hand. Shampoo reicht völlig. Eine Wäscheleine ist übrigens immer ein wunderbares Reiseutensil. Bei uns hängt diese schon einmal quer durchs Hostelzimmer. Und Mikrofaserhandtücher trocknen in wenigen Stunden – tolle Erfindung.

Fazit:
Immer wieder erstaunlich, wie wir es mit maximal 6kg Handgepäck in Irland schafften, immer noch Teile dabei zu haben, die wir nicht genutzt haben.  Sich mit größerem Backpack am Ende der Reise von einer alten Hose, den ausgetretenen Flip Flops oder Sneakern zu trennen schafft Platz für Mitbringsel für Freund oder Familie. Reise mit Daypack, eine tolle Erfahrung! Also, Handgepäck packen und ab nach Georgien… 

#Warum Georgien 2022?

Steppe, wehendes Gras im Wind und wilde Pferde – das ist das Bild, was ich seit 2013 mit Georgien verbinde. Vorher hatte ich dieses Land östlich des Schwarzen Meeres und südlich vom Großen Kaukasus überhaupt nicht auf dem Radar. Ich war in Bulgarien und Montenegro und sogar schon 1998 auf einer abenteuerlichen Abi-Fahrt in den baltischen Staaten inklusive Königsberg. Aber Georgien?

Georgien seit 2013 im Kopf. Warum es vor neun Jahren in unser Blickfeld rückte, hatte folgenden Grund: Ein Bekannter von Sandra besitzt im Südosten Georgiens – in Kachetien – ein Haus, das er vermietet. Sein Vater lebte dort, verstarb und so kam er zu einem Anwesen inklusive georgischem Familienanschluss. Als wir im Herbst 2013 ein paar Tage „ausspannen“ wollten (damals noch ohne Kind), kam Sandra mit der Georgien-Idee um die Ecke. Doch der Flug nach Tiflis war schon damals kein Schnäppchen und so wurde aus Georgien Spreewald. Die Idee schlummerte sechs Jahre lang und erwachte erst 2019 wieder zum Leben.

Die Idee von Muttidetox. Kleiner Exkurs: Sandra und ich hatten 2018 angefangen, uns eine zehntägige Mutti-Auszeit zu zweit zu nehmen. Timeline: mindestens alle zwei Jahre. Es ging nach Irland. Das fünfte Mal für uns, das vierte Mal zusammen. 2020 wäre also der nächste Trip dran gewesen. 2019 begannen wir mit der Planung und ich kann mich gar nicht mehr an „den Moment“ erinnern. Die ersten Freunde und Bekannten von uns berichteten mit leuchtenden Augen von Georgien und auch unsere Idee war ja immer noch in der Mottenkiste vergraben. Und so lag plötzlich der Georgien-Reiseführer auf dem Tisch und wenig später das Flugticket nach Tiflis. Von dort wollten wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln – Kleinbussen, den sogenannten Marshrutka – fortbewegen.

Alles anders durch die Pandemie.
Doch #Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung. So wurde aus public transport ein Lada Niva mit Faltdach – und zwar erst jetzt, zwei Jahre später. Mit ihm wollen wir durch das Land mit knapp vier Millionen Einwohnern, das im Norden an Russland, im Süden an die Türkei und Armenien und im Osten an Aserbaidschan grenzt. Wir sind also zwei Jahre zu spät – umso wichtiger, dass wir endlich, endlich loskommen!

#Vorfreude

Wenn wir gemeinsam auf Reisen gehen, dann setzt mindestens schon sechs oder acht Wochen vorher das Reisefieber ein. Bereits Monate vorher kaufen wir einen Reiseführer, sitzen gemeinsam in Kneipen und machen Reiseplanung: den Flug und die Etappen buchen, Reiseutensilien checken, einfach alles, was dazu gehört.

Pandemie stellt alles auf den Kopf. Doch diesmal ist es anders. Corona hält die Welt seit über zwei Jahren auf Trapp. Unser geplanter Georgien-Trip im Mai 2020 gecancelt – Europa stand still, wir waren im ersten Lockdown. Für 2021 planten wir den Trip gar nicht erst neu, zu unsicher. Wir wollten nicht wieder enttäuscht werden. Doch Ostern 2022 muss es einfach klappen. Am 19. Februar buchten wir endlich den Flug, befüllten gemeinsam ein Trello-Board mit Ausflugszielen und Übernachtungsmöglichkeiten. Fünf Tage später beginnt der Krieg in der Ukraine. Am 2. März schreibt mir Sandra: „Georgien ist durch, oder? Für meine Motivation brauchen wir eine Alternative, sonst dreht man ja durch!“ – äh, nein, für mich ist Georgien noch lange nicht durch. Wir bleiben dran! Gebucht ist der Flug ja eh, nicht stornierbar. Eine Weile ist Funkstille auf dem Trello-Board. Wenige Tage später buchen wir „unseren“ Lada Niva, mit Faltdach und machen einfach mit der Planung weiter.

Gemischte Reaktionen:
Unser Umfeld reagiert ähnlich wie 2003 bei unserem Nicaragua-Trip: Waaas?! Da wollt ihr jetzt hin?? – gefolgt von ungläubigen Blicken. Ja und warum denn auch nicht. Georgien ist fast so weit von der Ukraine entfernt wie Berlin. Und ja, ohne hier tiefer politisch einsteigen zu wollen, Georgien hatte sein Thema mit Russland schon 2008. Was auch immer noch passieren wird, so glauben wir nicht, dass sich ein Krieg in den kommenden zwei Monaten auf Georgien ausweiten wird. Es gibt keine aktuellen Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt zu Georgien. So lange der Flieger nach Kutaisi abhebt und wir gesund sind, werden wir fliegen. Beides ist nicht vorhersehbar und das macht es mit der Reisevorfreude nach wie vor etwas schwierig. Doch konzentrieren wir uns doch wieder auf das Wesentliche und das ist: Der Fön bleibt daheim (ja, Sandra hat mich überzeugt) und wir nehmen nicht mehr mit als das, was in unseren Daypack-Rucksack passt. Um das und die besten Packtechniken auszuprobieren, haben wir – Stand heute – noch 10 Tage Zeit.