Kirgisistan: Route

Hier nochmal unsere Stationen:

Tag 1: Nacht in Bischkek, weiter mit der Marschrutka nach Bokonbayevo und von dort mit dem Taxi zum Agat Yurt Camp an der Südseite des Issykköl-Sees

Tag 2: Tag rund ums Agat Yurt Camp mit Ausflug zum Mars Canyon

Tag 3: Taxi zum Skazka-Canyon (Märchenschlucht), von dort mit Minibus und Taxi nach Jeti Oguz (Emir Guesthouse)

Tag 4: Jeti Oguz mit Wanderung (14km) rund um die „Sieben Stiere“ und hoch zum „Coffee Peak“

Tag 5: Karakol, Duet Guesthouse

Tag 6: Von Karakol mit dem Taxi zu den Heißen Quellen Ak-Suu, von dort weiter nach Jirgalan, Mine Hostel

Tag 7: Mine Hostel, Wanderung zum Wasserfall (12km)

Tag 8: Marschrutka von Jirgalan nach Karakol und weiter nach Cholpon-Ata (Nordseite Issykköl), Übernachtung im Raduga Ressort in
Sary-Oy

Tag 9: Baden im See und mittags mit Taxi nach Balytschky und von dort weiter mit Marschrutka nach Bishkek, Übernachtung im „Ololo Yurt Hostel“

Tag 10: Sightseeing in Bischkek, Ololo Yurt Hostel

Tag 11: Rückflug über Istanbul nach Berlin

Bishkek (7.-9.6.)

„Am Ala-Kul wart ihr auch, oder?“, fragt mich Chris, der Belgier, den wir gerade im Hostel kennengelernt haben. Er ist heute morgen erst in Kirgisistan gelandet und Sandy hat ihn unter unsere Fittiche für ein erstes Frühstück genommen, da sie beobachtet hatte, wie ein Guide ihm direkt zur organisierten Tour und vom Marschrutkafahren abgeraten hatte. Geht ja gar nicht! Hätten wir allerdings gewusst, dass Chris mit 27 Jahren bereits 50 Länder bereist hat, hätten wohl eher wir uns noch Reisetipps holen können. 

Doch zurück zum Hochgebirgssee Ala-Kul, Nähe Karakol. Dort waren wir tatsächlich nicht und es kratzt an meiner Reise-Ehre, dass wir im Land der Siebentausender keinen dieser hochgelegenen Seen gesehen haben. Doch das erfordert Kondition und Zeit (Mehrtages-Trekking) - beides hatten und haben wir nicht. Wir hatten ja ursprünglich geplant, an die Grenze Chinas zum Kel-Suu-See zu fahren - abgesagt die Tour noch vor Reiseantritt, da kein Wasser im See (ist trocken bis Ende Juni, dazu Schnee). Heute Abend haben wir gelernt, dass das kein Wunder ist - Kel-Suu bedeutet „trocken“. Aber zu dieser Erkenntnis gleich. Erstmal zu Bishkek und unserem Tag hier: Bei 28 Grad ließen wir uns den Wind durchs Haar wehen und brausten größtenteils mit einem E-Scooter durch die Stadt…vorbei an…

Platz des Sieges mit der Ewigen Flamme…

Die Türkische Moschee…

Präsidentenpalast mit einer großen Autoflotte ohne Nummernschilder…

Osch-Markt…

Mit seinen vielen Gewürzen - gut, dass es die Übersetzungsapp (einfach App & Kamera an, schon steht die Sorte da) gibt, die uns beispielsweise die „Hügelige Paprika“ anzeigt…

Der Bahnhof in Bishkek - mit der einzigen Verbindung nach Balyktschy…einmal pro Tag. 

„No Name“-Bar in Bishkek - „Könnte auch in Berlin sein!“, sagt Sandra.

Bishkek bei Nacht

Abends geht es noch raus. Erst mit Chris, dem Belgier, fünf Türken, die er im Flugzeug kennengelernt hat, und zwei Kirgisinnen, von denen eine wiederum mit einem der Türken studiert hat, in ein traditionelles Restaurant. Dann, ohne die anderen, in die „No Name-Bar. 

Und der Kel-Suu-See? Das mit der Übersetzung „trockener See“ hatte uns eine der Kirgisinnen im Restaurant erzählt. Und damit schließt sich der Kreis. Es ist kein Hochgebirgssee in diesem Urlaub geworden. Aber ein anderer Wunsch ist am Ende des Urlaubs wahr geworden: Mit vielen Leuten aus dem Hostel an einem „Hostel-Tisch“ im Restaurant zu sitzen und über Gott und die Welt zu reden. Wir sind zwar die Hostel-Oldies und wie sagte einer der Türken: „Meine Mutter ist zwei Jahre älter als ihr, die würde das nicht mehr machen…!“, aber wenn wir dann alle so beisammen sitzen, dann ist es, als wären wir nie weg gewesen. 

Tina

Yssykköl Nordufer (6./7.6.)

Badestop am Yssykköl: Auf dem Weg aus den Bergen Jyrgalans zurück nach Bishkek war unser Plan, einen Badestop am Nordufer des Yssykköl-Sees einzulegen. Also buchten wir eine Ferienwohnung im Raduga Ressort, das - wie wir lernen durften - zu den renommiertesten Ferienanlagen des Landes zählt. Es liegt im Dorf Sary-Oy, etwa 14 Kilometer von Cholpon-Ata entfernt, und erstreckt sich über eine gepflegte, grüne Fläche von mehr als 34 Hektar.


Aber fangen wir vorne an. Angekommen an der Rezeption hatte man uns nicht auf dem Schirm. So fragten wir uns mit Translator und Buchungsbestätigung durch die gesamte Anlage, bis zwei Damen sich unserer Angelegenheit annahmen, denn schließlich hatten sie „einen Ruf zu verlieren“ wie Google-Translator uns den russischen Dialog der beiden Damen übersetzte. Die Anlage ist in russischer Hand. Einzige Europäer: wir. Die meisten Feriengäste kommen aus Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk.


Abend am Strand: Unser Apartment, das wohl einen privaten Eigentümer gehört, war angeblich doppelt gebucht. So landeten wir nach zwei Stunden und einem Eis in einem anderen Apartment der Anlage. Früh genug, um den Nachmittag und Abend am Strand ausklingen zu lassen.


Ein perfekter Ort zum Entspannen: Einfach nur schön der Blick auf das „kirgisische Meer“ (auf 1.600 Metern) und die dahinter liegenden Berge Kasachstans. Am nächsten Morgen nach zwei Café Latte - in einem Land von Teetrinkern - und Gebäck wagten wir noch den Sprung ins 15 Grad kalte, glasklare Wasser von einer der Seebrücken und waren startklar für unsere Reise nach Balyktschy und weiter nach Bishkek.

Brieffreundin gesucht. Auf dem Weg zum Ausgang des Ressorts verwickelten uns eine Mutter und ihr Sohn aus Bishkek noch in ein Gespräch und Foto-Shooting („Können wir ein Foto mit Euch machen?!“). Mit dem VIP-Zug aus der Hauptstadt waren sie für eine Ferienwoche angereist. Nur knapp konnten wir einem zukünftigen „Englisch- Tandem“ per WhatsApp mit dem Sohn entgehen. Die Mutter bat uns inständig, denn das Englisch ihres Jungen sei so schlecht. Wir stellten uns etwas schwer von Begriff und schauten uns stattdessen lieber schnell ein paar Fotos ihres Bruders auf Berlin-Besuch im April an.  

Ab in die Hauptstadt. Die Martruschka (Minibus) in Balyktschy füllte sich innerhalb einer Stunde, der feilgebotene Räucherfisch „Balyk“ erfreute sich weniger Beliebtheit. So konnte die zweieinhalbstündige Fahrt in die Hauptstadt mit Ziel „Ololoto Yurt Hostel“ starten und der Abend in einem gemütlichen georgischen Restaurant (ja, wir haben Sehnsucht nach georgischem Essen!) um die Ecke enden. Dieses hatten uns zwei ältere Damen auf dem Steg des Yssykköls (pensionierte Englischlehrerinnen aus Bishkek) am Mittag empfohlen. Ja, heute war ein Nette-Leute-Treff-Tag…

Sandra

Karakol, Heiße Quellen „Ak-Suu“ und Jirgalan (3.-6.6.)

массаж ist ein Wort, das sich auf Kyrillisch leicht entziffern lässt. Massage! 20 Minuten nach meiner ersten Interessensbekundung geht es schon los. Obwohl ich dem Hostelbesitzer „Medium and a bit relax“ gesagt habe, legt die Massagefrau direkt los. Gefühlt geht sie jeden Muskel der letzten Wanderung noch einmal durch. Eingefettet und etwas geplättet verlasse ich nach einer Stunde den Raum.

Wir wollen Karakol erkunden - ein Ausgangspunkt für Trekker und Naturfreunde, 67.000 Einwohner und damit viertgrößte Stadt Kirgisistans. Sie liegt nur 150 Kilometer von China entfernt. Wie immer bei kirgisischen Orten (nach einer knappen Woche Erfahrung, lach) bin ich erst euphorisch und dann ein bisschen enttäuscht. Das Tolle an Kirgisistan sind die Natur und die Menschen, die uns fast immer offen begegnen. Aber die Orte an sich sind meist eher langweilig, oft sogar hässlich und geben auf den ersten Blick nicht viel her. Doch manchmal findet sich auf den zweiten Blick ein Highlight, wie der „Biergarten“ schräg gegenüber unseres Hostels.

Tina

Highlights in Karakol & Jirgalan

Hier ein paar Eindrücke aus Karakol und Jirgalan…

Eines der heimlichen Top-Highlights Karakols ist laut Reiseführer die kalte, scharfe Suppe der Uiguren namens Ashlan-Fu, die wir um Punkt 12 Uhr in einem vollen Markrestaurant einnehmen. Nebenbei sei gesagt: unser Ding war sie nicht, aber wir haben es probiert.

Offizielles Higlight ist die Dunganen-Moschee. Sie ist nur aus Holz, angeblich ohne Nägel, gebaut…

… und die russisch-orthodoxe Kirche „Kathedrale der Heiligen Dreieinigkeit“.

Wir laufen viel - einmal quer durch das quadratisch angeordnete Karakol.

Toll war unser Duet Hostel - ein Schmelztiegel und Treffpunkt junger Leute (und uns Oldies) aus aller Welt, von Irland bis Südkorea. Hipp eingerichtet - der Prenzlauer Berg hätte so manchen „Sowjet-Design“-Stuhl sicher gerne abgestaubt. 

Weiter geht es am nächsten Tag mit dem Taxi nach Jirgalan - mit einstündigem Stopp an der heißen Quelle Ak-Suu, herrlich! 

Wichtig: Halte Deine Badezeit genau ein!

Jirgalan - das kirgisische Südtirol. Besonders toll ist unser Hostel! Wir haben quasi eine neue (und wirklich geschmackvoll) eingerichtete Wohnung für uns, ein Sonnendeck und - das Beste - eine Sauna.

An Tag zwei wandern wir los - zwölf Kilometer, über saftige Wiesen, vorbei an Viehherden und über viel Geröll…

… zum Wasserfall. Unterwegs treffen wir einen Reiterguide, der seinen Gästen und uns eine Art wilden Rhabarber vom Hang pflückt. Dazu Sonne satt, das Leben ist schön.

Jeti Oguz/Sieben Stiere (1.-3.6.)

Am Morgen nach unserer Ankunft in Jeti Oguz hat der Regen aufgehört und wir starten zu einer 14 Kilometer langen Wanderung. 

Oberhalb unseres Gästehauses geht der Weg, der sich nicht immer als solcher erkennen lässt, los…

Erstmal kurzes Päuschen - die 2.200 Meter, auf denen wir gestartet sind, sind nicht zu unterschätzen. Wir schnaufen ganz schön…

Wir treffen einen Schäfer. Statt Hirtenhund treibt er selbst die Herde mit dem Pferd zusammen. Schade, dass wir kein Russisch können - der Translator auf dem Smartphone hat keinen Empfang. Aber mit Händen und Füßen ist ein wenig Verständigung möglich.

Weiter geht es über Kämme und kleine Pässe, bis wir auf einer Art Ebene landen, wo die Schäfer ihre Jurtencamps haben.

Idylle wie aus dem Bilderbuch…

Groggy, aber glücklich laufen wir nach vier Stunden wieder in Jeti Oguz ein. 

Doch eine Sache haben wir uns noch vorgenommen: am Berg unserer Pension gegenüber liegt das „Coffee Peak“, mit dem wahrscheinlich einzigen Siebträger im Umkreis von 100 Kilometern. Da wollen wir hin!

Und von hier ist der Ausblick auf die „Sieben Stiere“ besonders schön.

Yssykköl-See mit Mars-Canyon und Skazka-Schlucht (30.5.-1.6.)

Oleg ist im Jahr des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine aus seiner russischen Heimat im Ural 3000 km Richtung Süden durch Russland, Kasachstan bis nach Kirgistan gefahren, um nun in zweiter Saison das Agat Yurt Camp am Südufer des Yssykköl-Sees zu betreiben. Dort war er die letzten beiden Tage unser Gastgeber und die Yurte „Diamond“ - hergestellt in lokaler Handarbeit - unser Zuhause.

Einsamer See mit Retro-Charme. Zugang zum Strand für einen Spaziergang oder eine kleine von uns erdachte Yoga-Einheit hatten wir inklusive, doch zum Reinspringen ins kühle Nass fehlte uns leider die Sonne. Sowjetischen Charme entdecken wir in Kirgistan immer wieder, auch auf Olegs Gelände. Ein sowjetisches Erholungszentrum - heute ein „lost place“ aus Kino, Restaurant und Konzertmuschel - ist auf dem Areal der sechs Yurten stehengeblieben.

Auf zum Mars. Unser Wandertipp ist die nahegelegene Mars-Schlucht. Diese Marsianische Landschaft Kirgistans mit ihren Felsformationen und Farbschemata ist atemberaubend schön! Auf dem Rückweg machen wir einen Stopp im Nachbarort „Kadhzi Say“ im Café Mandarin - auf ein paar Manti (Teigtaschen) und einen Kaffee. Danach halten wir eine Marschrutka an und fahren für ein paar Som zurück ins Camp.

Mit dem Lada zur Märchenschlucht. Zum Glück überredet uns Oleg, auf unserem Weg nach Jeti-Oguz Halt  bei der Märchenschlucht (Fairy Tale Canyon) zu machen. „Kennst‘e eine Schlucht, kennst‘e alle“, aber der Canyon Skazka war seinen Besuch mehr als wert. So fuhr uns Usman mit seinem alten Lada bis zum Eingang des Skazka. Am Rückspiegel baumelt das verstaubte Wappen der kasachischen Meisterschaften im Armdrücken aus dem Jahr 2004. Dank Google Translator war auch schnell die Frage geklärt, ob wir beide Ehemänner haben.

Der Weg zu den Sieben Stieren. Auf den Gipfeln des Skazka eröffnete sich uns ein magischer und mystischer Ort mit 360-Grad-Blick in die vom Wind und Wasser geformten Schluchten und auf den Yssykköl. Bergabwärts geht es weiter Richtung „Emir“, unserer Pension für die nächsten zwei Tage. Den Battle zwischen Trampen und Marschrutka gewann der Mini-Bus, in dem wir uns zu zweit auf nur noch einen freien Platz quetschten. So geht es die nächsten 60 Kilometer etwas unbequemer weiter bis nach Kyssyl Suu. Außer Bankomat, Kebab und Kaffee hat der Ort nichts zu bieten. Im sonntäglichen Familientreiben suchen wir uns ein „Taksi“, das uns nach zwei Telefonaten mit der Gastgeberin zielsicher zu den „Sieben Stieren“ bringt. Ab hier Regen, Regen, Regen…

Sandra

Weiter geht es über Swanetien, die georgischen Berge - einen Ort, an den wir auch noch einmal wollen (schon zwei Anläufe gestartet). 


Fünf Stunden von Istanbul entfernt landen wir um 1 Uhr nachts Ortszeit in Kirgisistans Hauptstadt Bishkek. Wir haben es geschafft! 

Am nächsten Morgen geht es gut 200 Kilometer weiter südöstlich zum See Yssyköl - natürlich mit Marschrutka (Kleinbus).

Von Bokonbayvo müssen wir noch zwölf Kilometer weiter mit dem Taxi - das Auto des Taxifahrers springt nicht an. Sprit aus der Plastikflasche und kleine Reparatur unter der Motorhaube notwendig. 

Erste Übernachtung in einer Jurte - im Agat Yurt Camp. Hier hat Oleg vor zwei Jahren sein Business mit sechs Jurten eröffnet. Leckeres Essen gibt es auch…

… und abends sogar ein Lagerfeuer.

300 Meter entfernt vom Jurtcamp liegt der See Yssyköl - auf 1.600 Höhenmetern. Außer uns sind keine Gäste da. Auch der Steg ist ohne Planken stehen geblieben…

Endlich in Istanbul! Von dort Richtung Bishkek fliegen wir eine wunderschöne Schleife über den Bosporus…

Wie wir fast nicht nach Kirgisistan gekommen wären…

28./29.5.

Das Boarding Richtung Istanbul geht überpünktlich los. Kurz zuvor waren am Gate von einigen Mitreisenden noch die Gebetsteppiche (in diesem Fall Gebetsreisetücher) ausgepackt und gen Mekka gelegt worden. Es war Zeit für das erste Abendgebet.

Hier stimmt was nicht. Im Flieger angekommen sitzen wir ein bisschen zu lange, ohne, dass etwas passiert. Die Durchsage des Kapitäns - immer zuerst auf Türkisch, dann auf Englisch (Spannungsbogen) klingt irgendwie resigniert. Wir hören „operational problems“, erst 50 Minuten Verspätung. Ich sage noch zu Sandra, eher im Scherz, aber auch mit leiser Vorahnung: „Wenn das Ding mal überhaupt abhebt!“ Wenige Minuten später wieder der Kapitän: alle raus, wir heben nicht ab.

Willkommen zurück zur Passeinreise am BER. Was ist das frustrierend!

Wir sind flexibel. Doch wir wären ja nicht beste Freundinnen und nicht Sandra & Tina, wenn wir nicht schnell einen Plan B entwickeln könnten. Bei der Airline-Hotline geht keiner ran, am Schalter in Berlin steht mit uns der ganze Flieger - bringt auch nichts. Online sieht es so aus, als wären die nächsten zwei Tage alle Flieger der Airline nach Istanbul ausgebucht. Und wir müssen ja vor allem auch noch weiter! Hatten wir nicht mal beschlossen, keine Umsteigeflüge fürs MuttiDetox zu buchen…wohl bei der Planung vergessen.

Frage von Sandra: Wo kommen wir denn heute noch von Berlin mit dem Zug hin, wir schwenken um! Wichtig nur, kein Badereise-Ziel, wir haben Merino-Wäsche und Teddypullis dabei.

Alles nochmal auf Los. Plötzlich eine sms der Airline - wir sind umgebucht auf den nächsten Morgen. Ob das alles so stimmt, wissen wir bis zum Morgen nicht, denn die App aktualisiert nicht, Online-Check-in auch nicht möglich.

Egal. Wir müssen es versuchen und wollen am Flughafen bleiben. Nun wieder nach Hause zu unseren Liebsten wäre doch auch seltsam - die große Reise hat ja längst begonnen. Wir buchen uns in ein Hostel zwei Kilometer vom Flughafen entfernt ein und bekommen erstmal einen Willkommensdrink. Langsam kochen wir runter: es muss einfach klappen am nächsten Tag.  Und notfalls machen wir uns mit dem Zug auf in Richtung Prag, Budapest oder Ljubljana!

Asien, wir kommen! Egal wie und wo: MuttiDetox wird stattfinden! Am nächsten Morgen drucken wir die Bordpässe ganz altmodisch am Automaten aus, gehen erneut durch die Sicherheit und ans Gate. Und zu unserer großen Erleichterung heben wir diesmal ab! Asien wir kommen!

Tina 

Wieso ausgerechnet Kirgisistan?


„Wie kommt ihr denn gerade darauf?“
Wie oft habe ich diese Frage in den letzten Wochen und Monaten gehört. Und ich kann Euch sagen – ich verstehe Euch und diese Frage.

Denn mir hat dieses kleine Land der Stan-Staaten (Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, Tadschikistan und Turkmenistan) ja selbst bis vor kurzem noch nichts gesagt. Und noch jetzt muss ich alle Sinne zusammennehmen, damit mir alle fünf Staaten mit „stan“ auch einfallen.
  Ich glaube, so richtig wissen Sandra und ich selbst nicht mehr, wie wir auf dieses Reiseziel gekommen sind. Vielleicht ist Sandra mal wieder einem Blogger gefolgt, vielleicht habe ich beim Zappen durch die Mediathek eine Doku gesehen. 

Doch das Land erfüllt das, was wir schon immer gerne mochten: Ein bisschen unbekannt, ein bisschen exotisch, ein bisschen verrückt.
Wie Nicaragua halt. Oder wie Rhododendron in Irland roden.

Wir werden sehen. Aktuell sind es noch zehn Tage, das Reisefieber steigt so langsam. Die Packliste steht, gerade ist mir noch eingefallen, dass ich mir doch mal lieber einen neuen – größeren, aber nicht zu großen – Rucksack kaufen sollte. War doch mein letzter (von der Armenien-Reise) in Marseille stehen geblieben. Da frage ich mich selbst rückblickend: Wie kann man einen Rucksack auf der Straße beim ins Taxi steigen vergessen…aber gut, wer sich rühmt, mit Handgepäck in einen zweiwöchigen Familienurlaub zu reisen und am Ende doch neun Gepäckstücke (ja, drei kleine Koffer, aber: jeder einen Rucksack, jeder noch ein Teil) in den Händen hält, der braucht sich nicht zu wundern. Jedenfalls schaffe ich es zwar mit einem Handgepäckrucksack nach Kirgisistan, aber nicht mit 22 Litern. 30 müssen es schon sein. Zur Erinnerung hier nochmal unser Mantra: Der Fön bleibt auch diesmal zuhause.

„Was bietet Kirgisistan so?“, hat mich heute jemand gefragt.
Berge, die über 7.000 Meter hoch sind, und die wir nicht besteigen werden, lach. Ansonsten sage ich immer: Ich stelle mir das Land ein bisschen wie die Mongolei vor. Die Weite, die Berge, die Jurten, ein riesiger See, der Issyköl, ein bisschen so wie unser Bodensee, und viele, viele weitere Seen und einfach das Wissen: Wir sind auf der Seidenstraße und schon fast in China. Das ist irgendwie abgefahren. Um also ehrlich zu sein: Ich weiß nicht, warum wir gerade dorthin fahren. Es soll gut sein, sagen einige Backpacker. Und es soll, zumindest unter Europäern, noch ein Geheimtipp sein. Und alleine das finde ich schon mal gut. Ich freue mich riesig darauf, das Land zu entdecken!

 

Tina

Kirgisistan 2025

...in acht Wochen (Stand: 2. April) fliegen wir los...
Im "Plov Berlin" saßen wir zusammen, haben zum ersten Mal Kirgisisch gegessen und wollten zwischenzeitig sogar nach Kasachstan rüber...


Doch einen Tee später hatten wir uns wieder beruhigt. Wir fokussieren uns auf Kirgisistan. Kasachstan ist sicherlich auch spannend und der Süden (direkt angrenzend an Kirgisistan) hätte uns sehr interessiert – Canyons, singende Dühne, Almaty als coole Stadt usw. Aber alles auf einmal geht nicht – schon gar nicht in 12 Tagen.

Und so atmen wir nochmal ruhig durch, tanzen im SO36 in Kreuzberg bis tief in die Nacht und konkretisieren unsere Route...

Die (geplanten) Highlights

Wir haben zwölf Tage Zeit, zwei davon gehen ab für Hin- und Rückreise.
Wir haben folgenden Plan:
Von Bishkek über den Burana Turm 
zum Yssyköl-See mit Jurtenübernachtung
Yeti Oguz (Felsformation "Sieben Stiere")
Karakol und die umliegenden heißen Quellen
Naryn mit Homestay
Von Naryn an die chinesische Grenze zum Kol Suu See
*** Highlight, da gebuchte Tour mit Grenzpermit für China, Übernachtung im Nirgendwo in einer Jurte und das Ganze mit eigenem Fahrer ***
Zurück Richtung Bishkek und Rückflug

Wie wir reisen

Diesmal gibt es keinen Lada Niva als Mietauto – wir werden (back to the roots) mit Öffis reisen. Das sind hier, wie in Georgien und Armenien auch, die sogenannten Marschrutkas (russ. Bezeichnung für Kleinbus-Sammeltaxis). Diese fahren los, wenn sie voll sind. Das kann nach zehn Minuten oder einer Stunde sein. Wir werden sehen.

Warum Kirgisistan

Wir hatten beim letzten MuttiDetox 2023 über Jordanien nachgedacht, diese Idee jedoch recht schnell verworfen. Wir wollten keinen Zwischenstopp mit dem Flieger machen. Auch ist uns der Nahe Osten momentan zu unsicher. Den Punkt mit dem Stopover hatten wir dann bei unserem jetzigen Reiseziel schnell wieder vergessen. Denn es gibt keine Direktflüge nach Bishkek, der Hauptstadt Kirgisistans. Sandra kam (soweit ich mich erinnere) mit dieser Idee um die Ecke – wohl inspiriert von einem der vielen Reiseblogger, denen sie auf Instagram folgt. Erstmal den Reiseführer in Händen war ich sofort Feuer und Flamme.

Ein paar Fakten über Kirgisistan

Die ehemalige Sowjetrepublik Kirgisistan (auch Kirgistan oder kirgisisch Кыргызстан Kyrgysstan oder veraltet Kirgisien oder aber amtlich Kirgisische Republik) liegt in Zentralasien. Sie grenzt im Norden an Kasachstan, im Osten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan. Die Hauptstadt heißt Bishkek und hat rund eine Million Einwohner, das ganze Land rund sieben Millionen. Etwa 65 Prozent der Kirgisen sind Muslime. Die höchsten Berge sind der Peak Khan Tengri (6.995 m), Peak Pobeda (7.439 m) und Peak Lenin (7.134 m im Pamir Gebirge). Doch dorthin werden wir es nicht schaffen – weder zeitlich noch körperlich. Unsere geplante Expedition zum Kol Suu See an der chinesischen Grenze liegt auf 3.500 Metern. Wie sagte Sandra: "Tina, das ist höher als der Colca Canyon!". Ja, der gute alte Colca Canyon in Peru. Dort waren wir mit 22 im Jahr 2002 und schon damals ist zumindest mir fast die Puste ausgegangen.