#Wir über uns
Sandra über Tina
Alles begann mit einem roten Roller, der mit der „roten Zora“ den Bachgraben in Hörstein - einem Dorf in Bayern, kurz vor der hessischen Grenze - hoch und runter düste. Tina war neu eingezogen, links unten im letzten Haus. Es war 1990, wir waren drei Jahre älter als unsere Kinder heute. Beide waren wir Zugezogene auf der Suche nach neuen Freundschaften. Unsere begann in diesem Moment. Der Fön bleibt im Jahr 2022 auf unserer Reise mit leichtem Gepäck nach Georgien zu Hause… Während der gemeinsamen Zeit auf dem Gymnasium im nahe gelegenen Alzenau ein Ding der Unmöglichkeit. Beim Warten im Flur Morgen für Morgen und Tinas „ich komme gleich“ lernte ich Tinas Eltern besser kennen und schätzen. So wurde der schnelle Schritt zum Schulbus Routine. Bis heute bleibt es ein Rätsel, warum Tinas kurze Haare von damals mehr Aufmerksamkeit brauchten als die langen von heute. Teenies!
Als exzellente Torhüterin im Handballverein verhalf Tina uns zu manch einem Sieg, auf dem Feld aber musste sich schon einmal anhören „du schaust wie ein Auto, nur nicht so schnell“. Eine Jugend auf dem Dorf, so müssen sich Hanni und Nanni gefühlt haben, so wünsche ich sie mir für unsere Kinder auf Stadtniveau.
Während Tinas Zeit als "Technoqueen“ (es gibt Beweisfotos im localen Stadtmagazin) verlor sich unser gemeinsamer Lebensweg für kurze Zeit, um sich dann bei „Southside-Festival“ und Rockmusik wieder zu finden. Mit „echt stark für eine Mark“ (dem örtlichen Citybus) kamen wir in die benachbarten Dörfer und Städte oder fuhren mit Wochenendtickets los, um die ein oder andere Ecke Deutschlands zu entdecken. Legendär die Besuche in Mainz oder Düsseldorf und Köln, auf dem Darß zum Campen oder nach Ulm (siehe Tinas Beitrag). Das Reise-Gen steckte schon damals in Tina als wir noch keine Mütter waren. Unsere Kinder waren kaum auf der Welt, gelang es ihr mit Charme, die Mutter-Kind-Klinik in Wustrow davon zu überzeugen, dass wir uns dort während der Kur mit unseren Kindern eine Wohnung teilen müssten. #Muttidetox sieht anders aus, dachte sich Tina sicher als sie barfuß beim Nordic Walking mit ihren „Stöckern“ durch 10 cm-hohen Schnee stapfte, während ihre Tochter heulend in die Kinderbetreuung ging, oder eben nicht. Ähnlich beim Einzug in unsere Wohnungen in Prenzlauer Berg, wo wir Dank Tinas Zielstrebigkeit als Nachbarinnen in zwei Wohnungen einziehen konnten. Bis heute ist Tina eine Prenzlbergerin geblieben, die ich nun als Lichtenbergerin gerne besuche. Vernissagen für Kinder, Papiertüten mit Errungenschaften aus der Boutique, Eis von Hokey Pokey, Wurstwaren von Gottschlich oder Samstag Markttag – bevor Tina diesen Lifstyle aufgibt, werden wir sicher noch auf einige Reisen gehen.
#Wir über uns
Tina über Sandra
„Geh doch mal rüber, das Mädchen müsste ungefähr so alt sein wie Du, Tina!“, sagte meine Mutter im Sommer 1990 zu mir. Wir waren gerade neu eingezogen – in eine Neubausiedlung in Unterfranken. Sandra (für mich ist und bleibt sie Sandy) und ich freundeten uns schnell an und unser erster gemeinsamer Trip ging 1992 nach Inzell in ein Handball-Camp. Da wir allerdings verschiedene Jahrgänge des örtlichen Gymnasiums besuchten, beschränkten sich unsere gemeinsamen Aktivitäten auf Freizeit und das morgendliche „zum Bus laufen“. Schon hier spielte der Fön, der nun zuhause bleiben muss, eine Rolle. Denn jedes Mal, wenn Sandra morgens anklingelte, war ich noch am Haare föhnen und ließ sie warten. Aber das nur am Rande.
Wir führten also eine Art Nachbarschaftsfreundschaft und hatten jede unseren eigenen Freundeskreis. Das änderte sich, als wir 17 waren. Sandras Eltern waren nicht da und sie lud mich zu einer Party ein. Ihre Freunde fand ich nett und ihren Musikgeschmack (Alternative, Indie) gut. Ich merkte schnell, dass wir – etwas älter geworden – viel mehr auf einer Wellenlänge waren. So freundeten wir uns an und verbrachten bald jedes Wochenende zusammen.
Sandra schaffte es schon damals, mich – egal in welcher Stimmung ich bei ihr aufschlug – in eine positive Grundeinstellung zu versetzen. Frei nach dem Motto: Setz‘ Dich erstmal hin und komm‘ an. Sie ist eindeutig die Unemotionalere von uns und das meine ich nicht negativ. Die folgenden Jahre wurden wir so etwas wie Seelenverwandte und verbrachten viele Abende und so gut wie jedes Wochenende zusammen. Wir gingen sogar gemeinsam auf Studienorte-Entdeckungstour und schauten uns Städte wie Freiburg an, in denen wir gemeinsam studieren könnten. Doch Sandra ging nach dem Abi nach Ulm und ich blieb noch ein Jahr in Unterfranken. Danach ging ich 2001 nach Berlin. Zum Glück kam Sandra 2003 nach. Und so gründeten wir 2004 unsere erste gemeinsame WG in Kreuzberg und 2006 dann die zweite. An welche Orte der Welt es uns noch gemeinsam verschlug (außer Inzell;-)), erzähle ich ein andermal.